|
[index.htm] [DEUTSCH.htm] [ANFAENGE.htm] [GESCHICHTE.htm] [VISIONEN.htm] [EPILOG.htm] [EXTERN.htm]



 |
 |
|
Im Jahre 1994 – vor 14 Jahren - fand zum erste Mal eine Kunstausstellung in
den Gesellschaftsräumen des Pfarrhauses von St. Juan Bautista statt. Bereits
hier zeichnete sich eine extreme Vielfalt als dominantester Protagonist im
künstlerischen Ausdruck, wie auch im kulturellen Leben selbst ab; und zwar
nicht nur in der Gemeinde von San Juan, sondern auf der gesamten Insel Ibiza.
Maneesh - ein holländischer Nachbar - zeigte Ölbilder im Stil von "van Gogh",
ein deutscher Polizist im Ruhestand - J.B.Klinger – präsentierte Lithographien
seiner Aquarelle "Stil Hundertwasser" und Catalina Roig - aus San Lorenzo
stammende Ibicenca - stellte in einem inneren, schlecht hergerichteten Raum,
einige ihrer frühen Versuche aus, die noch wenig Reife zeigten. Holger E.
Dunckel, der beschloss auch weiterhin die Verantwortung für diese
Räumlichkeiten zu übernehmen, zeigte eine religiöse und zeitgenössische
Installation "Netz und Kreuz", fast so wie ein anderes Extrem, als Kontrapunkt
zu allen anderen Arbeiten. Allerdings enthielten die Eingriffe Dunckel’s schon
ein gesamtes geistiges und umsichtige Konzept für die Zukunft eines
Kulturzentrums. "… Das Kreuz ist zur Kultur geworden", sagte Joseph Beuys,
dabei verstand er das Kreuz nicht so sehr als einen Verweis auf eine
historische Begebenheit, sondern immer schon als „symbolon“, als ein
deutekräftiges Zeichen, dass auf geistige Zusammenhänge und auf innere
Realitäten verweist. So konnten die kulturellen Aktivitäten in San Juan nicht
besser begonnen haben.
Im folgenden Jahr wurden die Räume wieder während der Patronsfeste genutzt,
auf eine eher improvisierte Weise - aber immerhin mit einer Pressekonferenz im
“canal mediterráneo“, dem lokalen Fersehsender.
Während seiner Erfahrungen mit einer großen Ausstellung „Ein Kürbis voll
Asche“, die Dunckel als Kurator in Hamburg(BRD)leitete, entdeckte er die wahre
Bedeutung von kulturellen Zentren in ländlichen Gebieten. Die Ausstellung fand
auf einem Museums-Dampfer im Hafen statt und während des Aufbaus spöttelten
die Leute vom Wartungspersonal (alte Seebären) über die moderne Kunst, die
jedoch derart perfekt in die Räume installiert wurde, dass am Ende alle den
Abbau bedauerten. Sein Ansatz stützte sich wieder auf Joseph Beuys und dessen
Vision zur Sozialen Plastik. Also begann Dunckel bei den
Geschäftsleuten in Sant Joan Spenden zu sammeln, für eine würdige Beleuchtung
der Räume.
Am 21. Juni 1996 öffnete das CCSJ seine Türen mit einem zeitgenössischen Blick
auf Ibiza: MEL FERRA – artificial artists. So wie schon die Arbeit
„Netz und Kreuz“ das geistige Konzept in sich trug, wurde in dieser
Ausstellung sichtbar, wie die Praxis sich darstellen würde. Traditionelle
Elemente, triviales, Zeit-Dokumente, Grafiken – die Vielfalt von Stilen,
Fragmentierung ebenso wie Defragmentierung, wurden zu einer Komposition: Eine
ästehtische Situation in die alle Teilnehmer involviert sind.
Auch hier finden wir Joseph Beuys. Er kommentierte in einem Interview mit
Friedhelm Mennekes (Schreibmaschinentext ausgestellt im Diözesanmuseum zu
Köln, BRD): „ Ja nun, der Künstler ist mir ganz suspekt geworden, vor allem
weil er sich sozusagen reduziert, aufgehoben fühlt in den alten Systemen ...
irgendwas was die Leute kulturelles nennen. … Das Entscheidende ist,
sagen wir mal, den Begriff Künstler auf jeden Menschen zu beziehen, auf seine
Arbeit schlechthin. … Der erweiterte Kunst-Begriff jeder Mensch ist ein
Künstler, ist nicht leicht, aber sehr notwendig für die Kunst."
Deshalb: Für Holger E.Dunckel war es stets eindeutig, das Projekt CCSJ als ein
sehr eigenes Kunstwerk mit viel Persönlichkeit aufzufassen (...und was von
einigen noch immer nicht so ganz verstanden wird). Der Kommentar des Direktors
des CCSJ in diesem Zusammenhang: "Es sind immer die menschlichen Eingriffe
welche die Natürlichkeit der Erscheinungen mit ihren Interventionen
manipulieren. Gelungene Eingriffe gehen über das hinaus, was wir in unserem
kontextualen Umfeld als Realität akzeptieren, es handelt sich also um
Surrealismus. Leider gibt es aber auch Interventionen, die ganz offensichtlich
ihre Umgebungen benachteiligen, weil sie nicht einmal eine gewisse
Natürlichkeit reflektieren und so ein sub-realistisches Feld schaffen,
aufgrund ihres Mangels an Elastizität für Kontextualitäten. – So bleibt es
eine große Geste der Verantwortung, sich selbst als Künstler im Sinne des
erweiterten Kunstbegriffs zu verstehen."
|